Makedonische Sprache mit demotischer Schrift

Dez 18th, 2008 | von: Chris | Kategorie: Geschichte

Vor ca. 200 Jahren wurde nahe der kleinen ägyptischen Stadt Rosetta (el-Rashid) eine Steintafel gefunden, auf der drei Texte mit jeweils unterschiedlichen Schriften zu erkennen waren. Das errechnete Alter der Steintafel war ca. 2.200 Jahre. Die Schriften: Ägyptische Hieroglyphen im oberen Drittel, eine Schrift in der Mitte (sog. Demotische Schrift) und die antike „Koine“- Schrift im unteren Drittel.

Die antike Koine-Schrift wurde bereits schnell nach dem Fund übersetzt, und auf dieser Basis dechiffrierte der französische Orientalist Jean-François Champollion 1822 die Hieroglyphen.

Lange Zeit wurde über die mittlere Schrift spekuliert, bis vor einigen Monaten russische Wissenschaftler zum Ergebnis kamen, dass die Sprache des mittleren Teils auf dem Stein von Rosetta die Sprache der antiken Makedonier gewesen sein muss.

Der Stein von Rosetta im British Museum in London (Bildquelle: Wikipedia.de)

Einige makedonische Wissenschaftler hatten an der Konferenz teilgenommen, weil sie sich schon seit mehreren Jahren mit dem Thema auseinandersetzten.

Nach Angaben von Prof. Tome Bosevski und Prof. Aristotel Tentov ist der mittlere Text auf dem Stein von Rosetta die Sprache der antiken Makedonier - makedonisch, mit erstaunlichen Ähnlichkeiten zu einigen Wörtern in einigen makedonischen Dialekten von heute. Ca. 167 Wörter wurden präsentiert, die diese Ähnlichkeit aufweisen.

Bspw. wurde die Verwendung der Präposition “na” (von) und die Konjunktion “i” (und) identifiziert, als auch die Bildung des Plurals mit dem Hinzufügen des Buchstaben “i” am Wortende, genauso wie es in der heutigen makedonischen Sprache der Fall ist.

“Wir haben das Alphabet definiert. Wir müssen unsere Überraschung zugeben, als wir entdeckten, dass dieses Alphabet mit heutigen makedonischen Vokalen und Konsonanten übereinstimmt. Dies wurde von den antiken Makedoniern geschrieben” bestätigt Prof. Aristotel Tentov.

Es macht Sinn, dass die die dritte Sprache auf dem Stein von Rosetta die makedonische ist. Die Makedonier regierten Ägypten ca. 300 Jahre lang, erst unter Alexander des Großen uns seinem Freund und General, Ptolemaeus Soter, Gründer der letzten Dynastie.

Demotische Schrift auf dem Stein von Rosetta

// MINA

3 comments
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  1. Der Artikel ist interessant… Ohne irgend jemanden provozieren zu wollen, möchte ich die Gedanken des Artikels weiterführen, und eine weiterführende (evtl. etwas philosophische) Frage stellen:

    Da die Sprache der Bürger der Rep. Mazedonien (ehem. Jugoslawien) fast bis zum Identischen dem Bulgarischen ähnelt, könnten dann nicht auch die Bulgaren Anspruch erheben und äussern dass die Sprache auf dem Stein Bulgarisch sei?

    MfG

  2. Hallo Johnny,

    leider denken viele menschen, dass die bulgarische und makedonische sprache identisch wären. Leider ist aber dies nicht der Fall, wie der berühmte Balkanexperte und Sprachwissenschaftler aus Chicago, Prof. Friedman im folgenden Interview aufzeigt:

    CD: Many Bulgarian politicians and academics claim that Macedonian is just a dialect of Bulgarian. What do you say on this topic?

    VF: The answer is of course Macedonian is a distinct language. It is similar to Bulgarian, but just as Swedish and Norwegian are similar languages, but separate, so, too, are Macedonian and Bulgarian.

    CD: Why?

    VF: Both sets of languages have different dialectal bases. And for this reason it is not at all like the case of Moldovan and Romanian. The Moldovan standard language is not based on Moldovan dialects; it is based on the same Wallachian dialects as standard Romanian.

    In the case of Macedonian, however, the standard language is based on the dialects spoken in the west-central geographical area defined by Veles, Bitola, Prilep and Kichevo. It is not identical with any specific dialect, and has elements from the eastern ones as well. Standard Bulgarian is not based on a single dialect, but is based on eastern Bulgarian dialects, from Veliko Tarnovo to the Danube and further east.

    CD: Why were these specific dialectal areas chosen, in both cases?

    VF: What happened was that in the 19th century there were two major centers of literacy and prosperity- one in southwestern Macedonia, the other in northeastern Bulgaria. The Bulgarians decided to impose those eastern dialects from the area north of the Stara Planina range, east of the dialectal division called the yat line, and south of the Danube, on the whole state.

    CD: What was the thinking? Was this an organized campaign for specific reasons?

    VF: We’re talking about the phenomenon of intellectuals fighting over what’s going to happen when they get their own state- just like with the Congress of Manastir (Bitola) in 1908, when the Albanians were worrying about agreeing on a common Albanian alphabet before there was an Albanian state (in 1912). The Bulgarians didn’t have a state until the Russo-Turkish War of 1878.

    Quelle: http://www.balkanalysis.com/2008/12/14/victor-friedman-on-macedonia-the-balkanalysiscom-interview/

  3. Wieviel Wörter haben die Wissenschaftler denn nicht entziffern können, bzw. nicht zuordnen können? Welche Volkssprache (demotische Sprache) sprachen die Ägypter neben der Griechischen und priesterlichen Glosse? (Die Kopten erkennen 352 Ähnlichkeiten zu ihrer Sprache.)

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